Eiszeit in Berlin

Der zum Foto aus­ge­wählte, äußerst stim­mige Text stammt aus dem aktu­el­len Buch „ALS NOCH SCHNEE LAG oder AUS DEN AUGEN DES TODES“ von Rai­ner J. Hocher.

Februar 2010

Blass war sie, als noch Schnee lag, und wenig spä­ter wim­merte sie wie eine ver­schnupfte, frisch­ver­naschte Jung­fer, wel­che gerade ihre Unschuld ver­lo­ren hat. Am Wochen­an­fang war ich zu Besuch bei ihr.

Durch das schräg geöff­nete Schlaf­zim­mer­fens­ter schob sich eine eisige Kälte. Ein Nord­land­tief, das in den frü­hen Mor­gen­stun­den in Regen über­ge­hen sollte. Ich fror, schloss das Fens­ter und ging auf die Toi­lette. Alles war blit­ze­blank. Nir­gendwo auch nur ein Stäub­chen oder eine ver­irrte Spinne. Zum Pin­keln setze ich mich auf die Schüs­sel, sah auf den Boden, wo sich Kitsch und Kunst begeg­ne­ten, ließ Was­ser und wusch mir anschlie­ßend die Hände. Dabei dachte ich nicht an sie, an ihr Wim­mern oder Frie­ren, son­dern an das Glas­auge, wel­ches ich zärt­lich zwi­schen Dau­men und Zei­ge­fin­ger hin und her schob.

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