Die etwas andere Osterhasen-Geschichte von Irene Dische, Hans Magnus Enzensberger und Michael Sowa erhältlich hier.

Frohe Ostern!
Die Geschichte des Hasen Esterhazy, der von seinem Großvater ausgeschickt wird, um eine besonders große Frau zu finden und der bedrohlichen, von unmäßigem Schokoladenkonsum begünstigten Kleinwüchsigkeit der Familie entgegenzuarbeiten, ist ausgesprochen hintergründig. Bemerkenswert ist nicht nur die lautliche Verwandtschaft der Worte „Esterhazy“ und „Osterhase“, sondern auch, daß Esterhazy aus „Österreich“ stammt und ausgerechnet in „Ost-Berlin“ seine Lebensgefährtin findet. Die Berliner Mauer, die ihm von seinem Großvater empfohlen wird, um dort nach großen Häsinnen zu suchen, figuriert in diesem Szenario als Scheidewand zwischen einer Welt trügerischen Friedens und einer Welt untrüglicher Grobheit. Der hochadlige Esterhazy, dessen Kleinheit scharf mit der Länge seines Titels kontrastiert, wird im Westteil der Stadt schlecht behandelt. Ein Aufseher des Bahnhofs Zoo verweist ihn des Platzes, ein niederträchtiger Kleintierhändler lockt ihn in eine Falle und verkauft ihn an einen Kunden, ein Kind, das ihn zum Geburtstag erhält, versucht, ihn in der Badewanne zu ersäufen, und der Bedienstete eines Restaurants droht ihm sogar mit der Schlachtung. Nur im Versteck eines Lieferwagens, dessen Besitzer hauptsächlich Kuchen transportiert, und in einer Hasenhöhle auf der Ostseite der Berliner Mauer findet Esterhazy Geborgenheit: Die Soldaten waren extra dazu da, um auf sie aufzupassen, damit sie kein Auto überfahren konnte.